Mythos Mutterliebe
Kann ein Mutterherz wirklich für jedes Kind gleich stark schlagen? Oder liebt man insgeheim eine Tochter, einen Sohn mehr als die anderen?
Kann Mutterliebe gerecht verteilt werden?

© Wanetschka/pixelio
Gerechte Mutterliebe?
Jeder, der Geschwister hat, fühlt sich oftmals von den Eltern ungerecht behandelt oder nicht gleich geliebt. Das Gefühl der Benachteiligung kann einen Menschen für sein Leben prägen. plus Magazin hat den Psychologen Prof. Hartmut Kasten gefragt, wie Mütter es schaffen, zu allen erwachsenen Kindern ein gutes Verhältnis zu haben.
Lernen, gerecht zu sein
Eltern sollten jedes Kind gleich und gerecht behandeln – das ist ein ungeschriebener Kodex. Das zu lernen, dafür ist es nie zu spät.
- Kinder – auch erwachsene – spüren genau, wenn sie benachteiligt werden. Sprechen Sie offen mit den Kindern darüber. Sagen Sie Besserung zu.
- Wenn Sie feststellen, das Ihnen ein Kind deutlich näher ist, bitten Sie Ihren Partner, sich dem anderen Kind besonders intensiv zu widmen.
- Öffnen Sie Augen und Herz, suchen Sie bei jedem Kind liebenswerte Seiten und Talente! Bemühen Sie sich! Schenken Sie ihnen Zeit und Aufmerksamkeit.
- Phasen, in denen ein Kind mehr im Fokus steht, sind normal. Lassen Sie sie nicht zum Dauerzustand werden: Neid und Eifersucht zerstören jede Familie. Gerechtigkeit ist oberstes Gebot.
Bevorzugen Mütter Söhne?Forschungen haben gezeigt: In der frühen Phase kümmert sich eine Mutter tatsächlich oft stärker um einen Sohn als um eine Tochter. Grund: Mädchen sind bei der Geburt oft kräftiger und robuster. Später spielt das Geschlecht bei der Zuwendung keine Rolle mehr.
Mythos Mutterliebe
- Die Mutter-Kind-Beziehung ist einzigartig, weil sie schon während der Schwangerschaft beginnt.
- Nach der Geburt "bezirzen" Neugeborene ihre Mütter regelrecht – wissenschaftlich "Bonding" (Verbinden) genannt. Dies löst bei jeder Frau intensive, instinktartige Mutterliebe aus.
- Hinzu kommt, dass sich die Mutter meist in den ersten Monaten besonders intensiv um das Baby kümmern muss, was das Band noch mehr stärkt.
- Die Bindung der Väter kann auch eng sein – ist aber meist weniger radikal.