Warum spült das Gedächtnis solche Dinge unvermittelt wieder in unser Bewusstsein?
MARKOWITSCH: Das ist nicht zufriedenstellend erforscht. Man weiß aber: In solchen Fällen nehmen wir einen allerersten Impuls von außen wahr. Dieser Außenreiz löst dann im Gehirn eine wahre Kaskade von Aktivitäten im weitverzweigten Nervennetz aus – und urplötzlich werden lange zurückliegende Dinge an die Oberfläche gespült.
Welche Impulse sind das?
MARKOWITSCH: Der Duft nach Brötchen, der uns an den Weg zur Schule erinnert. Eine Melodie, die uns den ersten Kuss spüren lässt. Ein Gesicht, das uns an jemanden denken lässt, den wir lange nicht gesehen haben. Wir wissen heute, dass immer alle Sinne an das Gedächtnis gekoppelt sind.
Oft hört man, es gebe Menschen, die von Natur aus ein gutes Gedächtnis haben, andere weniger.
MARKOWITSCH: Grundsätzlich funktioniert die Fähigkeit sich zu erinnern, bei allen Menschen gleich. Wie gut sich das Gedächtnis aber ausbildet, hängt vor allem von der Erziehung ab. Die ersten Lebensjahre prägen da besonders. Bekommt man als Kind viel vorgelesen, wird das auf jeden Fall das Gedächtnis stärken. Man kann aber auch als Erwachsener einiges für ein gutes Gedächtnis tun.
Kreuzworträtsel oder Sudoku zum Beispiel heißt es immer?
MARKOWITSCH: Das ist ziemlich überschätzt. Neue Forschungen zeigen eindeutig, dass jede Art von Gehirnjogging nur wenige Regionen des Gehirns anregt.
Wie bringt man dann das Gedächtnis auf Trab?
MARKOWITSCH: Studien belegen: sich bewegen ist entscheidend. Wandern, Radfahren, Laufen, Schwimmen – und das ein paarmal pro Woche – beugen Vergessen am besten vor. Körperliche Aktivität hilft dem Gehirn, sich vom Info-Ballast zu reinigen. Die frei werdenden Endorphine wirken auch positiv aufs Gedächtnis.
Was tun Sie selbst, um nichts zu vergessen?
MARKOWITSCH: Wichtige Dinge, Termine etwa, schreibe ich mir meist genau auf, um mein Gedächtnis zu entlasten.