Die Brust nach Krebs wieder aufbauen

Ja... oder lieber Nein?

Diese Frage muss jede Frau persönlich entscheiden. Eine Frage, bei der es kein Richtig oder Falsch gibt. Eine Frage, die zwei Frauen ganz unterschiedlich beantwortet haben. Dazu: Die Tipps eines Frauenarztes.

Nein

Nein


Als ich die Diagnose Krebs bekam, hatte ich nur einen Gedanken: Der Tumor muss weg. So schnell und radikal wie möglich. Schon drei Tage später lag ich auf dem OP-Tisch. Danach war ich richtig glücklich. Wirklich, ich war erleichtert, das Ding in der Brust los zu sein. Der Arzt hatte mir zwar vor dem Eingriff gesagt, er operiert so, dass ein späterer Aufbau jederzeit möglich ist. Aber das kam mir weder vor der OP noch danach je in den Sinn. Ich wollte keine weitere Operation, für die es keinen zwingenden medizinischen Grund gibt. Ich wollte diesen Krebs nur loswerden. Deshalb ging es mit mir von der Amputation an bergauf. Ich saß freudig in meinem Krankenbett, der böse Feind Krebs war weg. Die erste Hürde war genommen. Das Leben konnte weitergehen.

Natürlich kostete es mich Überwindung, meinen Körper nach der OP das erste Mal im Spiegel anzuschauen – und eine Brust fehlt. Aber ich habe mir ganz pragmatisch gesagt: „Das ist jetzt so. Ich bin doch jetzt nicht weniger Frau, nur weil mir eine Brust fehlt. Einen Arm oder ein Bein zu verlieren ist doch wesentlich schlimmer, ich bin durch die fehlende Brust ja nicht eingeschränkt.“

Dass ich von Anfang an so gut mit der Amputation klarkam, lag auch an meinem Mann. Er hat mich während der ganzen Zeit immer unterstützt, vor allem auch in meiner Haltung zu einem eventuellen Brustaufbau. Von vorneherein sagte er mir, dass es für ihn gar kein Problem ist, wenn ich nur noch diese eine Brust habe. Er hatte auch im wahrsten Sinne nie Berührungs-ängste, nicht mal direkt nachdem der Verband entfernt worden war – das war ein bewegender Moment.

Wahrscheinlich hat sich auch deshalb nichts zwischen uns geändert. „Du bist für mich immer noch die gleiche, schöne Frau, die ich vorher geliebt habe und die ich jetzt liebe“, sagt er. Das sagen vielleicht viele Männer, deren Frauen Brustkrebs hatten. Doch mein Mann zeigt mir das auch, durch kleine Gesten, Blicke. Das gibt mir Halt. Auch darauf baue ich mein Selbstbewusstsein. Auch meine Töchter spielen dabei eine ganz wichtige Rolle. Sie wollten gleich sehen, wie es ist, nur noch eine Brust zu haben. Wir gehen da ganz offen und frei miteinander um. Für mich wäre es absolut untragbar, mich für mein Aussehen nach der Operation zu schämen.

Das tue ich übrigens auch nicht vor anderen Frauen. Als ich das erste Mal wieder schwimmen ging und danach unter der Dusche stand, habe ich schon gemerkt, dass die gucken. Ich habe mir überlegt, ob ich jetzt was sagen soll. Aber was? Eigentlich ist ja klar, was los ist bzw. war.
Heute mache ich mir darüber nicht einmal mehr Gedanken – schließlich kann ich ja nichts für die Krankheit. Ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio und ziehe mich da völlig unverkrampft um. Ich empfinde mich dabei als genauso attraktiv wie früher mit zwei Brüsten.
Manchmal arbeite ich sogar als Model. Darauf bin ich stolz. Mein Mann hat mich dazu ermutigt, als das Unternehmen brustamputierte Frauen suchte. Für den Marktführer (Anita, die Redaktion) in Sachen Spezialwäsche zeige ich, dass diese Wäsche herkömmlichen Dessous in nichts nachsteht. Ich trete beispielsweise vor Selbsthilfegruppen, in Kliniken und Sanitätshäusern auf und zeige anderen Frauen, wie schön die Prothesen-BHs aussehen. Dabei fragen mich immer wieder Frauen, welche Brust denn eigentlich amputiert wurde, so unauffällig ist die Prothese.

Spezial-BHs trage ich angezogen eigentlich immer, vor allem aus medizinischen Gründen. Denn die Prothese verhindert, dass ich meinen Körper schief halte. Schließlich fehlt auf der einen Seite nun einiges an Gewicht, die Prothese gleicht das aus. Anfangs habe ich vor allem nach dem Joggen immer getastet, ob die Prothese noch da ist – ich hatte Sorge, sie könnte wegrutschen. Aber die hält perfekt. Und die Prothesen-BHs sind mindestens so schick wie die normalen.
Ich glaube nicht, dass Fremde merken, dass mir eine Brust fehlt. Einzig die Besenreiser am Dekolleté, die sich durch die Bestrahlung gebildet haben, sind für andere sichtbar. „Wann sind Sie bestrahlt worden?“, fragen mich gelegentlich andere Frauen – die Besenreiser sind halt jetzt mein Markenzeichen.

 

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