Die Versprechen von Lebensmitteln
Cholesterinfrei, mit viel Omega 3-Fettsäuren, kalorienreduziert, ohne Fett – viele Lebensmittel werben damit, dass sie besonders gesund sind. Doch stimmt das? Welche Werbe-Aussagen sind wirklich sinnvoll und gut für die Gesundheit. Der große Report über functional food.
Lebensmittel die wie Medikamente wirken

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"Ohne die Margarine hätte ich immer noch zu hohe Cholesterinwerte", sagt Wolfgang Eicker. Der 69-Jährige aus Brauweiler bei Köln nutzt seit rund drei Jahren eine spezielle Margarine mit sogenannten Pflanzen-Sterinen, die den Cholesterinspiegel im Blut senken sollen. „Dadurch ist bei mir das böse LDL-Cholesterin um 13 Prozent gesunken“, sagt Eicker. „Mein Arzt ist mit den neuen Werten sehr zufrieden und ich bin froh, dass ich keine Tabletten mehr schlucken muss.“
Ein Einzelfall? Keineswegs. Bereits in wenigen Jahren soll dies der Normalfall sein. Intern plant die Lebensmittel-Industrie, dass bis 2050 die Hälfte aller erhältlichen Lebensmittel einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen haben soll. So arbeiten Forscher von Nestlé, Unilever und Co. an zahlreichen neuen Lebensmitteln, die wie Medikamente wirken, etwa an
• Joghurts mit modifizierten Proteinen, die den Blutdruck senken,
• Bonbons mit B-Vitaminen und Zink gegen Akne bei Jugendlichen,
• Marmelade mit Substanzen aus grünem Tee, die Falten reduzieren soll,
• und sogar an Schokolade für mehr Manneskraft.
Große Informationslücken bei Gesundheits-Lebensmitteln
Aber: Während es bei Medikamenten immer heißt „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, zeigen sich bereits heute bei Gesundheits-Lebensmitteln zum Teil gefährlich große Informationslücken. Eine Umfrage der Verbraucherzentralen und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ergab bei Kunden, die die erwähnte Spezial-Margarine gegen hohes Cholesterin im Einkaufswagen hatten und selbst verwenden wollten:
• 45 Prozent haben gar kein erhöhtes Cholesterin, sie sollten die Margarine daher besser nicht verwenden.
• Nur 36 Prozent sagen ihrem Arzt, dass sie die Spezial-Margarine essen.
• Rund 22 Prozent verzehren mehr als die empfohlenen 3 Gramm je Tag.
• Und nur 4 Prozent wissen, wie viel sie maximal von der Margarine essen dürfen.
Aber braucht man diese oder ähnliche Produkte wirklich, um gesund zu werden oder gesund zu bleiben? Dr. Oliver Weingärtner von der Universitäts-Klinik Saarland hat da zumindest bei Lebensmitteln Bedenken, denen künstlich Pflanzen-Sterine zugesetzt werden. Schon seit Jahren erforscht der Internist die Wirkung dieser Stoffe auf den Körper. Wie kaum ein anderer Arzt kennt er sich damit aus. Und er warnt: „Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass diese Substanzen auch Risiken haben.“ Zwar erkennt auch Weingärtner an, dass Sterine erhöhte Cholesterinwerte senken können, „aber das heißt noch lange nicht, dass damit das Herzinfarkt-Risiko zurückgeht“, sagt der Arzt. Und: „In Tierversuchen beobachten wir, je höher die Konzentration von Pflanzen-Sterinen im Blut, umso mehr nehmen arteriosklerotische Gefäßverletzungen zu.“ Einfach gesprochen: Pflanzen-Sterine könnten selbst dazu zu führen, dass Blutgefäße verkalken. Kanada hat Lebensmittel mit Pflanzen-Sterinen deshalb sogar verboten. Für Deutschland bzw. die EU ist ein solcher Schritt nicht geplant. Das hierzulande zuständige BfR sagt, es gebe zwar Hinweise auf schädliche Effekte, dem Institut fehlen aber schlüssige Beweise.