Osteopathie
Wenn Hände heilen
Osteopathie – das ist eine ganz besondere Medizin. Mit unendlich fein geschulten Händen fühlen spezielle Ärzte winzige Veränderungen im Körper. Die Therapie ist einfach wie genial – Blockaden werden gelöst, der Körper kann sich selbst heilen. Klingt esoterisch? Wirkt aber. Die sieben wichtigsten Dinge, die jeder wissen sollten, der Rheuma oder chronische Schmerzen hat, erläutert Dr. Armin Geilgens aus Vallendar bei Koblenz.

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1. Das Grundprinzip
Osteopathen betrachten nichts im Körper isoliert. Alle Organe, Muskeln, Bänder, Sehnen, Knochen, das Bindegewebe – alles steht direkt oder indirekt mit allem in Verbindung. Ist alles im Gleichgewicht, ist man gesund. Aber nur eine kleine Störung, etwa der Schnitt durch Bindegewebe und Muskeln bei einer OP oder ein heftiger Sturz können dieses Gleichgewicht empfindlich stören – man wird krank oder bekommt chronische Schmerzen. So wie bei Gabriele Gräf. Seit 20 Jahren hat sie Rückenschmerzen. Ursache: Ein Sturz, der dazu führte, dass sich die Wirbel im Rücken minimal verzogen.
2. So arbeiten Osteopathen
Vor der eigentlichen Untersuchung steht ein ausführliches Gespräch: Welche OPs hatte man? Gab es Knochenbrüche, Stürze, Stauchungen, Prellung, Verletzungen, auch wenn sie Jahrzehnte zurückliegen.
Dann folgt die Untersuchung. Der Patient liegt bis auf die Unterwäsche entkleidet auf einer Liege, ist mit einem Tuch zugedeckt. Nur was untersucht wird, lugt hervor. Osteopathen tasten dann mit den Händen alles ab: Muskeln, Sehnen, Gelenke, innere Organe. Dabei erspüren sie mit den Fingern selbst kleinste Spannungen, Verschiebungen, Verklebungen.
3. Das Behandeln
Die eigentliche Therapie erinnert ein wenig an eine Massage. Aber es wird nicht gewalkt, sondern mehr gedrückt, geschoben, gezogen. Je nachdem welches Gewebe oder Organ verspannt ist. Oft ist die Behandlung so sanft, dass man dabei einschläft.
4. Wirksam bei Schmerzen
Osteopathie wird vor allem bei chronischen Schmerzen im Rücken, Nacken, bei Gelenken, im Kopf (Migräne) und Bauch eingesetzt (siehe auch Kasten). Normalerweise ist bereits nach einer oder zwei Behandlungen festzustellen, dass die Beschwerden nachlassen. Falls nach drei Behandlungen keine Besserung bemerkt wird, ist Osteopathie wahrscheinlich nicht die richtige Methode.
Wenig Erfolge haben Osteopathen bei schweren und akuten Krankheiten wie Tumore, Diabetes, Knochenbrüche, Fieber, Infektionen, Thrombosen und Arthrose.
5. Die Kosten
Meist ist eine osteopathische Behandlung privat zu bezahlen. Nur wenige gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten. Eine Sitzung dauert zwischen 45 und 60 Minuten; die Kosten dafür etwa 70 bis 100 Euro. Bei privaten Versicherungen empfiehlt sich die Frage, ob die Kosten übernommen werden. Bei langwierigen chronischen Schmerzen und bisher erfolglosen Behandlungen werden die Kosten oft bezahlt.
6. So finden Sie einen guten Osteopathen
Leider gibt es kein verbindliches Siegel. Seriöse Osteopathen sollten Mitglied in einer anerkannten Osteopathen-Gesellschaft sein (siehe Kasten). Die Titel
• D.O.
• D.O.M
• D.O.T
sind Garant für eine fundierte und abgeschlossene osteopathische Weiterbildung, die in der Regel vier bis fünf Jahre dauert.
„Wer einen guten Osteopathen sucht, sollte auf die Mund-zu-Mund-Propaganda setzen“, sagt Dr. Geilgens.
7. Wie beurteilen andere Ärzte Osteopathie
Trotz vieler begeisterter Patienten stehen viel Schulmediziner der Osteopathie skeptisch gegenüber. Ihr Argument: „Es gibt keine aussagekräftigen Studien, die die Wirkung belegen“, sagt Geilgens, „und da wir im Wesentlichen ohne Medikamente auskommen, hat auch die Pharmaindustrie wenig Interesse, Studien zu unterstützen. Aber inzwischen gibt es viele Kollegen aus der Schulmedizin, die Patienten überweisen, weil sie selbst nicht mehr weiterkommen.“
Hier finden Sie einen guten Osteopathen
• DAAO, Tel. (0 75 62) 9 71 80, www.daao.info
• DAOM, Tel. (0 23 81) 49 51 64, www.daom.de
• DGOM, Tel. (0 67 42) 80 01 30, www.dgom.info
• DROM, Tel. (0 89) 31 90 36 46 (mittwochs), www.drom.de
• VOD, Tel. (06 11) 9 10 36 61, www.osteopathie.de